Welche Bedeutung hat Open Source für die Menschheit?

Ist Open Source ein Heilsbringer? Auf jeden Fall ein wichtiges Wirtschaftsgut, das der ganzen Menscheit frei zur Verfügung steht. Wir untersuchen die Frage der Bedeutung.In den letzten Jahren ist ein weltweiter Trend erkennbar, dass Open-Source-Software (OSS) zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ein sicheres Zeichen dafür ist zum Beispiel ihr verstärkter Einsatz in öffentlichen Einrichtungen.

So sagte EU-Kommissarin Nellie Kroes bei einer Gnome-Entwicklerkonferenz 2010, dass immer mehr öffentliche Verwaltungen Open-Source-Software, wie etwa Openoffice oder Mozilla einsetzten und damit zufrieden seien. Die Gründe seien die üblichen, nämlich Unabhängigkeit von einzelnen Entwicklerfirmen und geringere Kosten. Frühere Vorbehalte, die vor allem wegen Unklarheiten bezüglich des geistigen Eigentums und der Wartung bestanden, wurden dank einer aktiven Community mittlerweile ausgeräumt.

Dies stellt einen bedeutenden Durchbruch für die Open Source Bewegung dar, der nicht nur wirtschaftliche Bedeutung hat. Denn Open Source steht für eine Palette von Softwarelizenzen, welche deren Quellcode offen zugänglich lässt und damit für freie und breite Weiterentwicklung sowohl durch Privatpersonen als auch durch Firmen öffnet. Dies macht Open Source auch zu einer politischen Bewegung, welche sich, ähnlich wie die Creative Commons, für die Freiheit des öffentlichen Raums Internet und die durch Kapitalinteressen unbeschränkte Verbreitung von kreativem Gedankengut einsetzt.

Ein bekanntes Beispiel etwa bildet der Mozilla Browser Firefox, der kollektiv von einer Entwicklercommunity entwickelt wurde, um die Monopolstellung von Microsofts Internet Explorer zu brechen. Es ist nicht schwer, darin grunddemokratisches Gedankengut zu erkennen, also die Zerschlagung konzentrierter Macht (über die Bedingungen und Zugänge zum öffentlichen Raum etwa) zugunsten ihrer Verteilung auf eine Gemeinschaft. Dadurch, dass Mozilla eine gemeinnützige Organisation ist, also nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, ist es nicht schwer, darin eine gewisse Kapitalismuskritik zu erkennen: Entgegen nach dem Gewinnprinzip agierenden Firmen, welche taktisch auf einen Markt reagieren, Beschränkungen schaffen oder ihre Bemühungen in der Entwicklungen dorthin konzentrieren, wo sie den größten Gewinn erwarten, folgen Open Source Entwicklungen einer eigenen Dynamik, die prozessual an den Bedürfnissen einer Nutzergemeinschaft ausgerichtet ist.

Konkret äußert sich das dadurch, dass bei der Entwicklung von Open-Source-Programms eine prinzipiell unabgeschlossene Gruppe von Personen und Firmen beteiligt werden kann. So wird nicht nur der Aufwand der Entwicklung kollektiv geteilt, es entstehen auch Synergien, bei denen die einzelnen Entwickler voneinander profitieren können. Zudem wird auch einem elitären Spezialistentum entgegengewirkt (ebenso wie die Blogger-Bewegung einem elitären Spezialistentum im Journalismus entgegenwirkte). Die Abhängigkeit von einzelnen Herstellerfirmen sinkt und die Flexibilität, auf Programmfehler, technische Entwicklungen oder spezifische Bedürfnisse reagieren zu können, steigt. Auch die Verwendung der Software ist an weniger oder keine Bedingungen geknüpft und es wird insgesamt für größere Transparenz gesorgt.

Dadurch wird im Open-Source-Prinzip von einigen Personen ein Ansatz zur Überwindung des Kapitalismus gesehen. (Vergl. Etwa Projekt Oekonux http://www.oekonux.de)  Ein anderer entscheidender Faktor der Open-Source Bewegung ist deren Bewertung im Kontext der Globalisierung: Sie hilft, die „Digitale Kluft“ zu überwinden, welche die Spaltung in Regionen der Erde benennt, welche sich die Schaffung von IT-Infrastruktur und damit vor allem die Teilnahme am Internet leisten können, und solchen, denen dies aus Kostengründen versagt ist, was sich wiederum negativ auf deren Entwicklungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit ausübt.

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